Aktivitäten – 20120202 – Rudolf Kyaw hält Vortrag


02.Februar 2012/OTZ

Rudolf Kyaw hält Vortrag über die Geschichte der Fotografie und die Entwicklung der Dresdener Kameraindustrie.

Rudolf Kyaw (2. v. 1.) hatte historische Kameras mitgebracht.
Sie durften von den Mitgliedern des Fotoclubs und
den Gästen angefasst und ausprobiert werden.

Lebhafter Erfahrungsaustausch mit den Foto-Fans aus Greiz.

Von Christian Freund

Greiz. Der Vortrag von Rudolf Kyaw über die Geschichte der Fotografie und die Entwicklung vor allem der Dresdner Kameraindustrie war nach dem Geschmack der Zuhörer am Mittwoch in der Gaststätte der Turnhalle in Obergrochlitz. Der Abend gestaltete sich zu einem lebhaften Erfahrungsaustausch über Fotografie. Schließlich konnten die Foto-Fans, die der Einladung des Fotoclubs ins Vereinslokal gefolgt waren, nicht nur Interessantes über fotogeschichtliche Daten, wie zur Geburtsstunde der Fotografie, über die Erfindungen von Niepce oder der Daguerreotypie (1839) erfahren oder wie bereits Mitte des 19. Jahrhunderts Fotografen mit großer Holzkamera und Zelt, das für die Entwicklung der Bilder notwendig war, zum Broterwerb durch die Lande zogen, Landschaften und Leute fotografierten.
Historische Fotografien, die seine Ausführungen im wahrsten Sinne des Wortes bildhaft werden ließen, gingen von Hand zu Hand. Vor allem gefiel allen Teilnehmern, dass Kameras aus der Sammlung von Rudolf Kyaw nicht nur bewundert, sondern auch angefasst und ausprobiert werden konnten.
Dabei wurden vor allem bei den älteren Teilnehmern viele Erinnerungen wach, als sie Fotoapparate, die vorwiegend aus Dresdener Produktion stammten, in den Händen halten konnten. Vor allem begeisterte die Kleinbild-Spiegelreflexkamera Praktica, die von Pentacon Dresden – entstanden aus der Zusammenlegung dreier Fotoapparatehersteller – produziert wurde und mit der zu DDR-Zeiten die meisten Hobby-, aber auch Profifotografen unterwegs waren.
Rudolf Kyaw bezeichnet sich als stillen Sammler, er informiert sich vor allem durch das Studium einschlägiger Literatur und Kataloge. Er weiß, dass viele Leute noch eine ganze Anzahl älterer analoger Kameras besitzen und auch gern an den Mann bringen wollen. Doch das große Geld ist damit nicht zu machen. Manche Kameras wurden in so großer Stückzahl hergestellt, dass sie einen geringen oder keinen finanziellen Wert mehr verkörpern, wie Pouva-Start, die um die zehn Euro gehandelt wird. Wer aber eine sehr gut erhaltene Kamera der Null-Serie eines historischen Leica-Fotoapparates besitzen sollte, der könnte sich über rund 130 000 Euro freuen.



Sammler Rudolf Kyaw
Foto: Christian Freund

2012     Rudolf Kyaw – Geschichte der Kameraindustrie

01. Februar 2012

Die Geschichte der Kameraindustrie lebt in den Vitrinen des Sammlers Rudolf Kyaw
Von Christian Freund
„Balda“ hieß die Kamera, mit der Rudolf Kyaw seine ersten Fotos schoss. Sie gehörte eigentlich seinem Vater. „Die Technik dieser Balgenkamera, in die ein 6 x 9 Film eingelegt werden musste und die lediglich drei Belichtungszeiten zur Verfügung hatte, faszinierte mich. Ich war damals zehn oder elf Jahre alt, als ich sie benutzen durfte. Später hatte ich eine ,Altix „, erinnert sich der leidenschaftliche Sammler analoger Fotoapparate. „Immer wenn ich meine abgelegten Fotoapparate sah, dachte ich, was machst du damit? Sie wegzuwerfen, fand ich zu schade. Da dachte ich, fängst mal an zu sammeln“, erinnert sich der Greizer. Am Anfang standen ausschließlich Kameras aus DDR-Produktion auf seiner Liste. Später, als er sich auch für die Geschichte des Kamera-Baus zu interessieren begann, fanden vor allem historische Fotoapparate aus Dresdner Produktion ihren Platz in den Vitrinen. Schließlich war Dresden einst das Mekka der Kamera-Produktion, es gab zahlreiche Firmen, die vor allem Apparate aus Holz mit Balken und Laufboden produzierten. In die Kassetten wurden anfangs versilberte Kupferplatten gelegt, die bei völliger Dunkelheit eine lichtempfindliche Emulsion erhielten, in nassem Zustand belichtet und sogleich bei völliger Dunkelheit entwickelt werden mussten. Das war eine aufwendige Prozedur für die Fotografen. Schließlich musste bei Außenaufnahmen ein Zelt mitgenommen werden. Die Resultate waren erstaunlich. Mit dem Fotografieren von heute hatte das wenig gemeinsam. So mussten zum Beispiel die Porträtierten längere Zeit total still halten, denn die Platten hatten eine geringe Empfindlichkeit, ganz im Gegensatz zu dem, was wir später von den Filmen her kennen. Die Erfindung der ersten Kamera durch die Familie Niepce kann bereits auf das Jahr 1822 zurück geführt werden. In diesem Zusammenhang sei noch Daguerre zu nennen, der u.a. die Entwicklung und Fixierung erfand. Damit konnten die Bilder sicht- und haltbar gemacht werden. Wenn von der DDR-Kameraproduktion die Rede ist, dann denken die Meisten an die legendäre „Praktica“ die von den VEB Pentacon-Werken, aus dem Zusammenschluss mehrer Kamerahersteller hervorgegangen, produziert wurden. „Die erste Praktica war eigentlich die Praktiflex, so zu sagen die Ur-Ur-Oma der Praktica. Eine Spiegelreflexkamera, die 1933 von Guthe & Torsch ähnlich einer Box funktionierend hergestellt wurde“, weiß Rudolf Kyaw. In seinem Fundus befinden sich etwa 100 Fotapparate verschiedenster Hersteller von Holzkameras über modernere Laufbodenfotoapparate bis zur letzten in der DDR produzierten Praktica BX20. 80 davon stellte der ehemalige Lehrer im zurückliegenden Jahr dem Greizer Museum für die Ausstellung „Vom Hof- zum Starfotograf“ zur Verfügung, die dem Vermächtnis der Greizer Hof-Fotografen Heinrich Fritz gewidmet war. Morgen wird er in einer öffentlichen Veranstaltung in der Turnhalle in Greiz-Obergrochlitz auf Einladung des Greizer Fotoclubs um 19.30 Uhr über die Entwicklung der Kameraindustrie und die Geschichte der Fotografie referieren.

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